U. Schäfer - A. Woede
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Sprachstörungen Kinder

Unter einer Sprachentwicklungsstörung (SSES) versteht man eine Abweichung von der normalen Sprachentwicklung. Das Kind fängt z.B. verspätet an zu sprechen, spricht oft so undeutlich, dass es von seiner Umgebung nicht verstanden wird und kann häufig selbst Sprache nicht gut verstehen. Dies kann auch zu Auffälligkeiten im Spiel- und Sozialverhalten führen.

Störungen des Lautsystems

Eine Störung des Lautsystems liegt vor, wenn ein Kind nicht in der Lage ist, Laute korrekt zu artikulieren, die es in seinem Alter können sollte. Die Kinder entwickeln ein eigenes phonologisches System, in dem es z.B. zu Ersetzungen („Taffee“ statt „Kaffee“) oder Auslassungen („B_ume statt „Blume“) von Lauten kommt.

Störungen des Wortschatzes und der Wortfindung

Der aktive Wortschatz des Kindes ist gering. Es kann viele Dinge noch nicht benennen oder verwendet stattdessen Ersatzausdrücke wie „das da“. Das Defizit kann sich dabei auf alle Wortarten beziehen (Nomen, Verben, Adjektive, usw.). Ursache dieser Störung kann z.B. die mangelnde Fähigkeit der Speicherung und des Abrufs von Wörtern aus dem sprachlichen Gedächtnis des Kindes sein.

Störungen des Satzbaus und der Grammatik

In der Sprachentwicklung verwendet ein Kind normalerweise nicht sofort korrekte lange Satzgebilde, sondern verkürzt und vereinfacht Sätze und Wortformen. Mit etwa 4 Jahren sollten Kinder jedoch überwiegend grammatikalisch korrekt sprechen. Beim Dysgrammatismus liegt eine Störung und/oder Verzögerung der grammatikalischen Entwicklung vor.
Fehler können auftreten im Satzbau (z.B. „ich Auto fahren“, „Peter mir Ball weggenommen hat“), bei der Wortbildung („ich bin gelauft“ „er habt“), Pluralformen („Krokodils“), der Artikelwahl („die Tisch“, „der Fenster“) oder der Nebensatzbildung („Ich bin müde wegen ich hab schlecht geträumt“).

Sprach- und Sprechstörungen im Zusammenhang mit geistigen und körperlichen Behinderungen

Angeborene oder erworbene Behinderungen können dazu führen, dass Sprache nicht oder nur eingeschränkt erworben werden kann. Meist sind dabei alle Bereiche der Sprache betroffen (Wortschatz, Grammatik, Artikulation, Sprachverständnis).
Sprachtherapie fördert in diesem Fall das Kommunikationsvermögen auf vielen Ebenen. Die Kinder lernen so den bestmöglichen Austausch mit der Umwelt – ein wichtiger Beitrag zum Erreichen eines selbstbestimmten Lebens. In manchen Fällen ist es sinnvoll, alternative Kommunikationsmöglichkeiten („Unterstützte Kommunikation“) einzusetzen.

Störungen der Kommunikation

Ein entscheidender Schritt der Sprachentwicklung besteht darin, dass das Kind im Kontakt mit der Bezugsperson erlebt, was Sprache ist und kann. Nimmt ein Kind Sprache nur als „Begleitmusik ohne Bedeutung“ wahr, kann es Sprache nicht erwerben, es entsteht eine tiefgreifende Störung der Kommunikation.
 
Mutismus

Mutismus bezeichnet ein teilweises oder vollständiges Verstummen, das emotional bedingt ist. (lat. mutus = stumm). Die Sprachentwicklung ist weitgehend abgeschlossen und die Mund- und Zungenbeweglichkeit sind fehlerfrei.

Unter selektivem Mutismus versteht man eine auf bestimmte Situationen und /oder Personen beschränkte Sprachlosigkeit.

Störungen des Schriftspracherwerbs

Lese-Rechtschreibschwäche (LRS)
Kinder mit einer Lese-Rechtschreibschwäche sind im Erwerb der Schriftsprache und der Lesefähigkeit beeinträchtigt. Diese Schwäche ist nicht durch intellektuelle, kulturelle oder emotionale Faktoren zu erklären. Ursache für eine LRS kann eine nicht überwundene Sprachentwicklungsstörung sein, die insbesondere das Lautsystem (siehe phonologische Störung), den Wortabruf und das verbale Kurzzeitgedächtnis betreffen.